Der heutige Handelstag steht an den europäischen Finanzmärkten ganz im Zeichen des großen Verfallstermins an den Terminbörsen. Gleichzeitig bleiben die US-Börsen aufgrund des Feiertags „Juneteenth National Independence Day“ geschlossen. Diese ungewöhnliche Konstellation sorgt für besondere Marktbedingungen.
Was bedeutet der große Verfallstag?
Viermal im Jahr richtet sich die Aufmerksamkeit von Anlegern, Tradern und institutionellen Investoren auf ein besonderes Ereignis an den Finanzmärkten: den großen Verfallstermin. Dieser wird häufig auch als „Hexensabbat“ bezeichnet und sorgt regelmäßig für erhöhte Handelsvolumina, stärkere Kursschwankungen und ungewöhnliche Marktbewegungen. Doch was genau passiert an diesem Tag an den Terminbörsen und warum besitzt der große Verfallstermin eine so hohe Bedeutung für die internationalen Aktienmärkte?
Was ist der große Verfallstermin?
Der große Verfallstermin findet jeweils am dritten Freitag der Monate März, Juni, September und Dezember statt. An diesem Tag laufen gleichzeitig zahlreiche Derivatekontrakte aus, die an Terminbörsen wie der Eurex oder der Chicago Mercantile Exchange gehandelt werden.
Dabei verfallen unter anderem:
- Optionen auf Einzelaktien
- Futures auf Einzelaktien
- Optionen auf Aktienindizes
- Futures auf Aktienindizes
Besonders betroffen sind wichtige Börsenbarometer wie der DAX, der Euro Stoxx 50 oder der S&P 500.
Warum entstehen starke Marktbewegungen?
In den Wochen vor dem Verfallstermin bauen institutionelle Investoren, Hedgefonds, Banken und Market Maker umfangreiche Positionen in Optionen und Futures auf. Je näher der Verfallstag rückt, desto wichtiger wird das endgültige Abrechnungsniveau der jeweiligen Basiswerte.
Viele Marktteilnehmer versuchen daher, ihre Positionen anzupassen, zu schließen oder in spätere Laufzeiten zu rollen. Dadurch entstehen oftmals hohe Handelsumsätze und kurzfristige Kursbewegungen.
Besonders in den letzten Handelsstunden vor dem offiziellen Verfall können sich die Marktaktivitäten deutlich verstärken.
Die Rolle der Optionen
Eine Option verleiht dem Käufer das Recht, einen Basiswert zu einem festgelegten Preis zu kaufen oder zu verkaufen.
Am Verfallstag entscheidet sich, ob die Option:
- ausgeübt wird,
- wertlos verfällt oder
- vorzeitig glattgestellt wird.
Liegt beispielsweise der aktuelle Kurs einer Aktie über dem vereinbarten Ausübungspreis einer Kaufoption (Call), besitzt die Option einen inneren Wert und kann ausgeübt werden.
Liegt der Kurs darunter, verfällt die Option meist wertlos.
Diese Mechanismen führen dazu, dass große Marktteilnehmer häufig umfangreiche Anpassungen ihrer Absicherungspositionen vornehmen müssen.
Warum sprechen Anleger vom „Hexensabbat“?
Der Begriff „Hexensabbat“ stammt ursprünglich aus den USA und beschreibt das gleichzeitige Auslaufen verschiedener Derivatekontrakte.
Für viele Anleger wirken die Marktbewegungen an diesem Tag oft schwer nachvollziehbar. Kurse steigen oder fallen teilweise ohne erkennbare fundamentale Nachrichtenlage. Tatsächlich werden die Bewegungen häufig durch technische Faktoren und nicht durch wirtschaftliche Entwicklungen ausgelöst.
Genau diese ungewöhnlichen Marktmechanismen haben dem Verfallstag seinen spektakulären Spitznamen eingebracht.
Das Phänomen des Max-Pain-Punkts
Ein häufig diskutiertes Konzept rund um den großen Verfallstag ist der sogenannte „Max-Pain-Punkt“.
Dabei handelt es sich um das Kursniveau, bei dem die größte Anzahl ausstehender Optionen wertlos verfällt. Viele Marktbeobachter stellen fest, dass sich Aktien oder Indizes vor dem Verfallstag häufig in Richtung dieser Kursmarken bewegen.
Der Hintergrund liegt darin, dass Market Maker und Optionsverkäufer ihre Absicherungspositionen laufend anpassen müssen. Diese Hedging-Aktivitäten können zusätzlichen Einfluss auf die Kursentwicklung ausüben.
Obwohl der Max-Pain-Effekt nicht immer auftritt, wird er von professionellen Marktteilnehmern genau beobachtet.
Welche Auswirkungen hat der Verfallstag auf Privatanleger?
Für langfristig orientierte Anleger besitzt der große Verfallstermin meist nur eine begrenzte Bedeutung. Die ausgelösten Kursbewegungen sind häufig kurzfristiger Natur und verlieren bereits nach wenigen Handelstagen wieder an Einfluss.
Anders sieht es bei kurzfristigen Tradern aus. Diese profitieren häufig von:
- erhöhter Volatilität
- größeren Intraday-Bewegungen
- höherer Liquidität
- kurzfristigen Handelschancen
Gleichzeitig steigt jedoch auch das Risiko von Fehlsignalen und unerwarteten Kursausschlägen.
Ein wichtiger Termin für die Finanzmärkte
Der große Verfallstermin gehört zu den wichtigsten Ereignissen im Börsenkalender. Viermal jährlich laufen an den Terminbörsen Milliarden von Euro an Optionen und Futures aus. Die daraus resultierenden Anpassungen institutioneller Investoren sorgen regelmäßig für hohe Handelsumsätze und erhöhte Volatilität.
Während langfristige Investoren die kurzfristigen Marktbewegungen meist gelassen beobachten können, bietet der Hexensabbat für aktive Trader interessante Chancen. Wer die Mechanismen des Verfallstags versteht, kann außergewöhnliche Kursbewegungen besser einordnen und typische Marktreaktionen rund um den Verfallstermin nachvollziehen.
Fehlende Impulse aus den USA
Zusätzlich wird der heutige Handel von der Schließung der US-Börsen beeinflusst. Aufgrund des Feiertags Juneteenth bleiben die Handelsplätze an der Wall Street geschlossen. Auch die US-Derivateprodukte werden heute nicht gehandelt. Die Eurex weist in ihrem Handelskalender darauf hin, dass US-Aktienderivate am 19. Juni 2026 von den Feiertagsregelungen betroffen sind. Die Derivate wurden ausnahmsweise bereits am gestrigen Donnerstag, den 18. Juni abgerechnet.
Für die europäischen Märkte bedeutet dies, dass wichtige Impulse von der Wall Street ausbleiben. Normalerweise orientieren sich viele Marktteilnehmer insbesondere am Nachmittag an den Entwicklungen der US-Indizes. Diese Orientierungshilfe fehlt heute vollständig.
Höhere Volatilität bei geringerer Marktbreite
Die Kombination aus großem Verfallstag und geschlossenen US-Börsen schafft ein Marktumfeld, das von zwei gegenläufigen Faktoren geprägt wird:
- Hohe Umsätze durch den Verfall von Optionen und Futures.
- Gleichzeitig geringere internationale Marktliquidität durch die US-Feiertagspause.
- Verstärkte Bewegungen in einzelnen Aktien und Indizes.
- Technisch getriebene Kursbewegungen ohne fundamentale Nachrichtenlage.
Gerade institutionelle Investoren achten heute auf sogenannte „Max-Pain-Niveaus“, also Kursregionen, bei denen die Mehrheit der Optionen wertlos verfällt. Dadurch können sich Indexstände zeitweise auffällig um bestimmte Kursmarken bewegen.
DAX im Fokus
Für den DAX bedeutete der heutige Verfallstag eine erhöhte Wahrscheinlichkeit kurzfristiger Richtungswechsel. Historisch sind Verfallstage häufig von einer erhöhten Intraday-Volatilität geprägt. Besonders die Mittagsauktionen und die Schlussauktion stehen dabei im Fokus professioneller Marktteilnehmer. Die institutionellen Marktteilnehmer hatten den Kursbereich zwischen 25000 und 25050 Punkten im Visier gehabt.
Anleger haben daher kurzfristige Kursbewegungen nicht überbewertet. Häufig normalisiert sich das Marktgeschehen bereits zu Beginn der folgenden Handelswoche, wenn die technischen Effekte des Verfallstags verarbeitet wurden und die internationalen Investoren wieder vollständig am Markt aktiv sind.
Nach der in dieser Handelswoche stattgefundene geldpolitischen Einordnung der US-Notenbank und den aktuellen geopolitischen Entwicklungen richtet sich der Blick der Anleger bereits auf die kommende Handelswoche. Dann werden die US-Börsen wieder öffnen und neue Impulse für die internationalen Kapitalmärkte liefern.
Der heutige Handel wurde primär von technischen Faktoren bestimmt. Der große Verfallstag an den europäischen Terminbörsen traf auf einen US-feiertagsbedingt ausgedünnten Handel. Anleger handelten mit erhöhter Aufmerksamkeit, insbesondere bei heutigen kurzfristigeren Handelsentscheidungen. Langfristig orientierte Investoren haben die heutigen Marktbewegungen hingegen vor allem als temporäre Marktmechanik und weniger als Ausdruck einer veränderten fundamentalen Markteinschätzung betrachtet.